An(ge)dacht

Pfarrerin
Katharina Heunemann

Liebe Leserin, liebe Leser,

Gottvertrauen. Ein bisschen altmodisch klingt das Wort, finde ich. Stabil und wie ein doppeltes Netz. Selig, wer das hat – Gottvertrauen.

Mit Gottvertrauen lebt es sich leichter als mit Dauer-Planen und Dauer-Sorgen. Sich dauernd Gedanken, Pläne und Sorgen um die Zukunft zu machen, kann ganz schön zermürbend sein.

Und viele der wichtigen und großen Dinge in unserem Leben  können wir gar nicht planen: welche Menschen unseren Weg kreuzen, wo uns die Liebe trifft, welche Wege unsere Kinder einschlagen, welche Chancen sich auftun oder nicht, unsere eigene Gesundheit. Einen Einfluss haben wir zwar schon – aber oft ist der ziemlich begrenzt.

Gottvertrauen – das heißt nicht, dass ich den Kopf in den Sand steckt und hoffe „Gott wird’s schon richten“. Sondern im besten Falle macht das Vertrauen darauf, dass ich letztlich nicht allein bin, beherzt. ‚Beherzt’: was für ein schönes und treffendes Wort für Mut, der mit dem Herzen verbunden ist. Beherzt können wir kleine und große Entscheidungen des Lebens treffen, abbiegen oder umkehren und über manche innere Mauer springen. Beherzt können wir das Mögliche tun.

Was aber, wenn wir kein Vertrauen haben? Wenn die ‚Vögel der Sorge’ (mit Luther gesprochen) nicht nur ‚über unserem Haupt fliegen’, sondern ‚Nester in unseren Haaren bauen’? Wenn vom Glauben an Gott und vom Vertrauen auf ihn nur der Zweifel oder die Leerstelle bleibt? Ein Hin- und Hergerissen-Sein oder Nicht-Glauben-Können?

Die Jahreslosung für das Jahr 2020 kann ein Satz zum Festhalten sein. Ein Vater am Rand der Verzweiflung ruft heraus: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9,24) Ein starker Satz. Eine Bitte, eine Forderung. Ein Schrei. Der Schrei eines Vaters, dessen Sohn krank ist. Eine Form von Epilepsie reißt den Sohn immer wieder zu Boden, oft genug gefährlich nahe am Wasser oder am Feuer. Immer wieder muss der Vater machtlos zusehen.

Er bringt seinen Sohn zu den Jüngern Jesu. Als Jesu selbst dazu kommt, fleht der Vater um Hilfe – Jesus aber fragt ihn nach dem Glauben. Da bricht es aus ihm heraus: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ Zerrissen ist er.Der Unglaube hat ihn nicht überwältigt, aber es fehlt nicht viel.Trotzdem hält er an Gott fest.

Das, liebe Leserin und lieber Leser, können wir uns zu Herzen nehmen: Bei allem, was in der Welt und unserem Leben geschieht, haben wir die Freiheit, an Gott festzuhalten und laut oder leise die Worte zu wagen: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

Es grüßt Sie herzlich Ihre Pfarrerin Katharina Heunemann