An(ge)dacht

 
 Pfarrerin Elisabeth Schulz

Liebe Leserin, lieber Leser,
 
    Jesus Christus und das Reich Gottes. Das war ein zentraler Punkt seiner Verkündigung. In Bildern und Gleichnissen hat Christus den Menschen davon erzählt. Das ist keine genaue Beschreibung und keine detaillierte Aufstellung, wie das Reich Gottes aussieht, wie es sein wird. Da ist Phantasie gefragt und genaues hinsehen.
    Er wollte Menschen dazu animieren, sich ihre eigenen Gedanken zu machen. Er hat keine einfachen Antworten gegeben, wie das ist mit dem Reich Gottes.
Und er hat die Menschen erleben lassen, wie es sein könnte im Reich Gottes. In seinen außergewöhnlichen Gemeinschaften, in denen sich Menschen trafen und zusammen saßen, die sich sonst wohl kaum an einen Tisch gesetzt hätten, Fischer und Handwerker, Zöllner und Frauen mit zweifelhaftem Ruf. Bei ihm haben sie Gemeinschaft erlebt und sind gesehen worden als je einzelne Persönlichkeiten.
    Dabei hat er auch, wo nötig, gesellschaftliche und religiöse Grenzen überschritten. Einem römischen Hauptmann hat er ebenso geholfen wie einer Frau aus Syrophönizien. Das hat die religiösen Machthaber auf den Plan gerufen. Sie haben sich an ihm geärgert und beschlossen: “Der muss weg!“
    Die Menschen folgten ihm und ließen sich von ihm ansprechen. Immer wieder ist in den Evangelien, die Rede von der großen Menge, die ihm folgt und seine Worte hören will. Ja, manchmal wird es zu viel, sogar für Jesus Christus, und er sucht die Einsamkeit oder lässt sich mit einem Boot wegfahren.
    Doch das ändert sich eines Tages schlagartig. Umgefallen sind die Menschen, haben sich umstimmen lassen, sind manipuliert worden. Symbol dafür ist einerseits der Einzug in Jerusalem, als sie Palmzweige und ihre Kleider auf dem Weg ausbreiten, um ihm einen königlichen Einzug zu bereiten. Und die Menge der Menschen jubelt und ruft: „Hosianna“. Wenige Tage später steht die Menge auf dem Platz, Pontius Pilatus führt Jesus vor und die Menschen schreien: „Kreuzige ihn!“
Wie konnte das geschehen?
    Die Geschichte zeigt, dass Menschen leicht verführbar sind. Und eine globalisierte Welt mit immer komplexeren Zusammenhängen lässt die Sehnsucht nach einfachen Erklärungsmustern entstehen. Kommt dann noch eine krisenhafte Zeit dazu, ist der Boden bereitet für Verschwörungstheorien, wie sie Jesus Christus schließlich zum Verhängnis wurden.
Dem Bildungsauftrag der Kirche entspricht es, sich damit auseinander zu setzen und zu sehen, wie solche einfachen Erklärungsmuster verführen können und wie wir damit umgehen. Und letztlich folgt das auch der Botschaft Jesu, die Dinge zu hinterfragen, sie nicht als gegeben hinzunehmen und sich ein eigenes Bild zu machen. Lassen Sie uns damit in den gemeinsamen Austausch gehen.
Lassen Sie sich inspirieren!



Ihre Pfarrerin Elisabeth Schulz