An(ge)dacht

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

freuen Sie sich auch schon lange auf Ihren wohlverdienten Urlaub? Endlich ist Sommer und mit ihm kommt (zumindest bei den meisten) die ersehnte Urlaubszeit! Endlich raus aus dem Alltag und das Leben genießen á la Balu, dem gemütlichen Bären aus dem Dschungelbuch: „Probier‘s mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit wirfst du den Alltag und die Sorgen fort..!“. Aber manchmal ist das gar nicht so einfach nach Wochen der Anstrengung in Schule und Arbeit und den ganzen durchgetakteten Aktivitäten des Alltags runterzufahren und abzuschalten. Die Anspannung steckt uns regelrecht in den Knochen und manchmal meinen wir auch im Urlaub das Alltagstempo beibehalten zu müssen. Die wertvolle freie Zeit muss doch richtig genutzt werden. Endlich all das tun können, wozu sonst keine Zeit ist! Und ohne es richtig zu merken, hat einen der „Freizeitstress“ vollkommen im Griff. Ganz abgesehen natürlich auch von der Bedrohung  unserer Erholung schlechthin in dieser Zeit, wenn die Arbeit Erreichbarkeit einfordert auch im Urlaub. All das kann dazu führen, dass der Urlaub gar nicht seinen Sinn und Zweck erfüllt. Wer einen Blick in die Bibel wirft, wird feststellen, dass richtige Erholung auch von Jesus hochgeschätzt wird. Seine Mitarbeiter und er hatten ja auch immer sehr viel um die Ohren. Und da heißt es einmal im Markusevangelium: „Und die Apostel kamen bei Jesus zusammen und verkündeten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Und er sprach zu ihnen: Geht ihr allein an eine einsame Stätte und ruht ein wenig. Denn es waren viele, die kamen und gingen, und sie hatten nicht Zeit genug zum Essen. Und sie fuhren in einem Boot an eine einsame Stätte für sich allein (Mk 6,30-32).“ In meiner Bibel hatte ich mir irgendwann neben diese Verse „grn-out“ notiert. Da mag wirklich was dran sein, denn die „Urlaubstheologie“ Jesu empfiehlt, wer wirklich Erholung sucht, der verbringe seinen Urlaub abseits des Touristenstroms an einem ruhigen Ort. Dort, wo man kein „Freizeitprogramm“ absolvieren muss. Dort, wo man zum Aufatmen kommt. Dort, wo man das Leben wahrnehmen kann. Mit allen Sinnen. In jedem Augenblick. In all seiner Fülle. Genau da sein, wo man gerade ist. Gutes Essen auf der Zunge zergehen lassen. Die Augen weiden an Augenweiden. Meeresrauschen und Grillenzirpen. Sand unter den Füßen. Lebensfreude atmen. In die Augen seines Gegenübers blicken und den Himmel darin sehen. Tief in sich hineinspüren und Gott begegnen.

Ihre Pfarrerin Simone Hegele