An(ge)dacht

Liebe Leserinnen und Leser,
 
„Ich glaub. Ich wähl.“ – so wirbt die evangelische Kirche in Bayern für die Wahl des Kirchenvorstandes im Oktober dieses Jahres.
 
Und wer soll zur Wahl gehen? Jeder von uns. Jeder, der zur Kirchengemeinde Kemmoden-Petershausen gehört. Denn Kirchengemeinde, das sind wir alle.
 
In ganz unterschiedlicher Weise sind wir Gemeindeglieder:
  • mit Begeisterung oder Ernüchterung,
  • voller Idealismus oder eher pragmatisch,
  • mit dem Blick fürs Ganze oder der helfenden Hand im Einzelfall, 
  • enttäuscht über die Schwerfälligkeit der Organisation, oder beseelt vom Blick in den Himmel durch das Dachfenster der Segenskirche, 
  • mitten in der Gemeinschaft oder eher vom Rand aus beobachtend,
  • tatkräftig anpackend oder einfach mit der Kirchensteuer beteiligt.
 
Gemeinsam sind wir als Gemeinde unterwegs. Sehr viele Menschen bringen ihre Erfahrungen, Fähigkeiten und Ideen ein. Viele Menschen machen unsere Gemeinde durch ihr Engagement und durch ihre Anwesenheit lebendig.
 
Mitten in aller Lebendigkeit ist es aber wichtig, zu schauen, auf welchem Kurs wir eigentlich unterwegs sind. Das Ziel im Blick zu behalten ist manchmal gar nicht so einfach. Und genau dafür ist der Kirchenvorstand da. Er ist das Gremium, das den Kurs im Blick behält: Was dient der Gemeinde? Wofür wollen wir Mittel und Kraft einsetzen? Was soll unsere Gemeinde ausstrahlen? Was ist für die Zukunft wichtig? Wie können wir die Botschaft von der bedingungslosen Liebe Gottes stärken, sie hörbar und fühlbar machen?
 
Es ist gut evangelisch, dass dafür nicht der Pfarrer oder die Pfarrerin allein zuständig ist. In der Theologie Martin Luthers ist jeder Getaufte Gott gleich nah. Deshalb ist es gut, wenn nicht nur Pfarrer, sondern Menschen in verschiedenen Lebenssituationen Leitungs-Verantwortung übernehmen.
 
So versucht der Kirchenvorstand mit seinen gewählten Mitgliedern und den Pfarrern und Pfarrerinnen den Kurs zu halten und die Gemeinde – nach bestem Wissen und Gewissen – nicht nur durch ruhige Fahrwasser, sondern auch durch manche Untiefe, manchen Sturm und manche Flaute zu manövrieren. Und sicher leitet er die Gemeinde dabei manchmal auch im Zickzack und auf Umwegen.
 
Aber letztlich ist es nicht der Kirchenvorstand, der die Gemeinde ins Leben ruft. Letztlich ist es der Geist Gottes, der seine Kirche gründet, bewegt und ihr den nötigen Wind in die Segel gibt. Er ist es, der uns Gemeinde sein lässt und der seine Kirche seit 2000 Jahren erhält und durch die Zeit trägt.
 
Möge Gottes Geist in dieser Kirchenvorstandswahl wirken:
„Ich glaub. Ich wähl.“
 
Mit herzlichen Grüßen,
 
Ihre Pfarrerin Katharina Heunemann